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"Merdinger SkulpTour 2006"

Am Kreisverkehr Skulpturen im herkömmlichen Sinne sind dreidimensionale künstlerische Objekte, die in aller Regel Volumen gestalten. Die Installationen von Reinhard Klessinger, die zur dritten Merdinger "Skulptour" an fünf verschiedenen öffentlichen Plätzen im Tunibergdorf aufgestellt wurden, erfüllen dieses Kriterium und darüber hinaus noch viel mehr. Natürlich sind sie - aus Stoffen wie Holz, Spiegelglas und Zink geschaffen - dreidimensional und beschreiben irgendwie auch einen Raum. Weit mehr beeindruckt jedoch, dass sie ihr Umfeld so aktiv mitgestalten, dass dieses (fast) zu den Skulpturen gehört. Etwa durch Spiegelungen werden Wolken, aber auch Büsche, Hecken, Fassaden und Pflastersteine in die Objekte miteinbezogen. Je nach Standpunkt des Betrachters ergeben sich dabei neue Blickwinkel und Sichtweisen.
Es bleibt den Menschen gar nichts anderes, als dass sie die Skulpturen begehen, sich bücken, wieder strecken und den Kopf verdrehen, um sich mit der Kunst auseinanderzusetzen. Manchmal werden die Betrachter selbst zur (sich immer wieder verändernden) Skulptur... Der Reiz, genauer hinzuschauen, ist nämlich vergleichsweise hoch. Das mag auch an den Worten liegen, die auf Zinkteilen und vor allem auf Spiegeln auftauchen. Die Betrachter werden zum Lesen verführt.

Bei der Schule stehen zwei miteinander korrespondierende Arbeiten: "Dem Himmel den Hof machen" und "Dem Himmel den Boden bereiten". Der Himmel ist eigentlich etwas Unfassbares, nie überschaubares, auch Licht, Reflexion und der Inbegriff des Göttlichen. In diesem Fall ist der Himmel der Akteur. Er zeigt sich zwischen Worten in den Spiegelflächen, und auch diese erhalten ihre Grundstimmung daraus, wie sich der Himmel gerade zeigt, je nach Wetterlage, Tages- und Jahreszeit. Bei "Dem Himmel den Boden bereiten" sind in einem etwa vier Meter großen Kreis spiegelnde Verbundglasscheiben in den Boden eingelassen. "Im Auge ruhend", "bleibendes Vergessen", "kreisender Duft" oder von "Erinnerung gesäumt" ist beispielsweise zu lesen. Um die Worte entziffern zu können, muss sich der Betrachter beugen und in die Skulptur hinein vertiefen. Manchmal sieht er dabei im Spiegel auch sein eigenes Gesicht...

Beim Kreisverkehr an der Langgasse fallen wieder Pfähle auf, die von "selbst bestimmten Zuständen" erzählen. Pfähle, wie sie im Weinbau verwendet werden. Immer zwei am oberen Ende angebrachte Spiegel stehen sich gegenüber - so dicht, dass man nur seitlich auf die Spiegelfläche schauen kann und sich beispielsweise zusammen mit Fragmenten der Umgebung und einem eingravierten Text spiegelt. Es ergeben sich immer andere Ansätze, neue Zustände und Aspekte.
Text aus einem BZ-Artikel v. Ulrike-Ehrlacher-Dörfler

Hier können Sie sich die "SkulpTour 2001" bzw. "SkulpTour 2003" anschauen.